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Erich von Stroheim


1885 - 1957

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Der Schauspieler und Regisseur Erich von Stroheim übte schon früh eine fesselnde Faszination auf das Publikum aus. Sein strenges, aristokratisches Erscheinungsbild und seine Rollen als Bösewichter machten ihn zu einem beliebten Darsteller, der schon bald mit dem Begriff "der Mann den man liebt zu hassen" umschrieben wurde.

Dieses Bild des gestrengen Offiziers nährte Erich von Stroheim, indem er seinem Namen später das "von" hinzufügte und Gerüchte streute, dass er aus einer preussischen Adelsfamilie stammte und eine Karriere als Militäroffizier hinter sich hatte. 
Tatsächlich war Erich von Stroheim nur kurz in militärischen Diensten, daneben arbeitete er in der Strohhut-Fabrik seines Vaters, bevor er nach Amerika auswanderte.

Dort begann sein grosser Aufstieg in der Filmindustrie, als er 1914 mit kleinen Rollen begann und zusätzlich als Berater für Militärkostüme und als Regie-Assistent arbeitete.
Er arbeitete in diesen Jahren u.a. mit D.W. Griffith zusammen, in dessen Filmen "The Birth of a Nation" (15) und "Intolerance" (16) er kurze Auftritte hatte.

Seine grosse Zeit kam, als Amerika in den 1. Weltkrieg eintrat und viele Filme entstanden, die sich mit diesem Thema befassten. Ein deutsch aussehender militärischer Schurke war gefragt und Erich von Stroheim füllte diese Anforderung perfekt aus.
Zu seinen bekannten Filmen in diesen Jahren gehören "Panthea" (17), "Sylvia of the Secret Service" (17), "Hearts of the World" (18), "The Hun Within" (18) und "The Heart of Humanity" (18) - wo er in einer Szene ein Baby aus dem Fenster warf .

Ab 1919 begann Erich von Stroheim, auch Regie zu führen. Sein erster Film war "Blind Husbands" (19), wo er gleichzeitig als Schauspieler auftrat. Es folgten weitere melodramatische Filme wie "The Devil's Passkey" (20) und "Foolish Wives" (22) - wo er wiederum eine Rolle übernahm.

Stroheims Filme zeichneten sich durch genaue Charakterzeichnungen und Verliebtheit für die Details aus, das sich auch auf die Qualität der Kostüme, Make-ups usw. auswirkte. Dies führte dazu, dass seine Filme sehr viel Geld verschlangen und ein Konflikt mit Universal eine Frage der Zeit war.
Eine schöne Anekdote zu Erich von Stroheims Perfektionismus ist jene, als er für seine Soldaten-Statisten mit nach Original-Mustern bestickte Unterwäsche bestellte, damit sich diese in ihre Figuren hineinversetzen konnten.
Beim Film "Foolish Wives" entstanden derart hohe Kosten, dass Universal laufend Werbung mit dem letzten "Kontostand" betrieb. Am Ende sah sich Universal jedoch gezwungen, den Film um einen Drittel zu kürzen, da die Figur des Grafen und die Darstellung des amerikanischen Ehepaares Entsetzen hervorrief. Der Film feierte an den Kinokassen einen enormen Erfolg, dennoch konnte er kaum die enormen Kosten decken. Irving Thalberg, Chef der Universal, hatte diese Ausschweifungen bei Stroheims nächstem Film "Merry-Go Round" (23) satt und liess den Film von Rupert Julian fertigstellen.

Erich von Stroheim wechselte zu MetroGoldwyn, wo er sein Meisterwerk auf die Leinwand bringen konnte. "Greed" (25) - wo er in einer Statistenrolle als Ballonverkäufer vor der Kamera stand - avancierte zum Klassiker und zählt heute noch zu den grössten Werken der Filmgeschichte.
Auch hier zeigte sich Erich von Stroheims Perfektionismus. Der ursprüngliche Film hatte eine Länge von sieben Stunden und überschritt das Budget deutlich, doch selbst von Stroheim war sich bewusst, dass die Produktionsgesellschaft einen solch umfassenden Film nicht aufführen konnte. Er kürzte den Film auf vier Stunden, danach kürzte der Regisseur Rex Ingram den Film um eine weitere Stunde, schliesslich legte MetroGoldwyn selbst Hand an und reduzierte die Gesamtlänge auf etwas mehr als 100 Minuten.

Von der neugeformten MGM erhielt Erich von Stroheim den Regieauftrag zum Film "The Merry Widow" (25). Doch er verwarf das Libretto von Franz Lehar und stopfte den Film mit Ausschweifungen und Perversionen aus. Es war dies sein Abschiedsgesang von MGM. Der Film selbst war beim Publikum ein Erfolg und gehörte zu den fünf erfolgreichsten Produktionen des Jahres.

Es dauerte drei Jahre, bis Erich von Stroheim wieder auf der Leinwand erschien. Seine ersten beiden Filme Ende der 20er Jahre präsentierten ihn als Schauspieler und Regisseur gleichzeitig. "The Wedding March" (28) wurde erneut viel zu lange und das amerikanische Publikum konnte nur die erste Hälfte der Geschichte sehen. Der zweite Teil mit dem Titel "The Honeymoon" (28) wurde nur in Europa aufgeführt. 
Danach entstand Stroheims letzter Stummfilm als Regisseur mit dem Titel "Queen Kelly" (29) und der Schauspielerin Gloria Swanson in der Hauptrolle. Der Film geriet um Desaster. Swanson liess ihn nach der Hälfte der Drehzeit feuern, der Film selbst wurde in kürzester Zeit fertiggestellt. Das Endprodukt war ein Misserfolg, der schon bald in den Archiven verschwand.
Erich von Stroheims letzter Film als Regisseur wurde "Hello, Sister" (33), der ebenfalls keinen sonderlich grossen Erfolg feiern konnte. Der Film wurde von ihm unter dem Titel "Walking Down Broadway" (32) abgedreht. Das Studio erachtete den Film als ungeeignet und versenkte den Film für ein Jahr. Schliesslich wurde der Film komplett umgeschnitten und unter dem Titel "Hello, Sister" (33) aufgeführt.

Doch dafür sah man in den 30er Jahren wieder einen grossartigen Charakterdarsteller mehr auf der Leinwand, als sich Erich von Stroheim wieder der Schauspielerei zuwandte. Er agierte in den Filmen "Three Faces East" (30), "Friends and Lovers" (31), "The Lost Squadron" (32), "Crimson Romance" (34) und "The Crime of Dr. Crespi" (35), ehe er nach Europa zurückkehrte und dort die Filme "L'alibi" (37), "Les pirates de rail" (37) und speziell Jean Renoirs Klassiker "La grand illusion" (37) drehte.

Mit der zunehmenden Bedrohung durch die Nationalsozialisten ging er wieder nach Amerika und verkörperte Nebenrollen in "I Was an Adventuress" (30), "So Ends Our Night" (41), "Five Graves to Cairo" (43), "Storm Over Lisbon" (44), "Scotland Yard Investigator" (45) und "The Mask of Dijon" (46).

Mit dem Ende des Krieges kehrte er endgültig nach Europa zurück und spielte in vielen französischen Produktionen wie "La foire aux chimères" (46), "On ne meurt pas comme ça" (46), "Le signal rouge" (48), "Portrait d'un assassin" (49), "L'envers du paradis" (53) und "Napoléon" (55).
Er kehrte nur noch einmal nach Amerika zurück für den Film "Sunset Blvd." (50) an der Seite von Gloria Swanson. Er erhielt für seine Rolle eine Oscar-Nomination.

Kurz vor seinem Tod wurde er in Frankreich in die Ehrenlegion aufgenommen.
 

Weitere Filme mit Erich von Stroheim als Darsteller: 
The Country Boy (15) Captain Macklin (15) Old Heidelberg (15) Ghosts (15) His Picture in the Papers (16) The Flying Torpedo (16) Macbeth (16) The Social Secretary (16) In Again, Out Again (17) For France (17) Draft 258 (17) Reaching for the Moon (17) Who Goes There? (17) The Unbeliever (18) Souls for Sale (23) The Great Gabbo (29) As You Desire Me (32) Fugitive Road (34) Under Secret Orders (37) Marthe Richard (37) L'affaire Lafarge (37) Ultimatum (38) Les disparus du Saint-Agil (38) Gibraltar (38) Derrière la façade (39) Rappel immédiat (39) Pièges (39) Le monde tremblera (39) Menaces (40) Tempête (40) Macao, l'enfer du jeu (42) The North Star (43) The Lady and the Monster (44) The Great Flamarion (45) Danse de mort (46) La prigioniera dell'isola (47) Alraune (52) Minuit…Quai de Bercy (53) Alerte au sud (53) Série noire (55) La madone des sleepings (55) 

Drehbuch:
Blind Husbands (19) The Devil's Passkey (20) Foolish Wives (22) Greed (25) The Merry Widow (25) The Wedding March (28) The Honeymoon (28) Queen Kelly (29) Hello, Sister (3) The Devil-Doll (36) Between Two Women (37) Gibraltar (38) Danse de mort (46) 

Produzent:
Blind Husbands (19) The Merry Widow (25) Queen Kelly (29)


 
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