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Nebelspalter
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Biographie

Der Illustrator und Maler Johann Friedrich Boscovits (eigentlich Boscovicz) wurde am 6. Januar 1845 in Budapest geboren. Seine Eltern waren Johannes Boscovits und Theresia Boscovits-Spitzer.
Er studierte von 1863 bis 1866 Malerei und Zeichnen an der Akademie der Bildenden Künste in Wien bei Prof. Carl Wurzinger (1817-1883) und Prof. Eduard von Engerth (1818-1897) mit Fokus auf Historienmalerei. Anschliessend ging er 1866 für einen Studienaufenthalt nach Mailand. Im folgenden Jahr folgte in München in Studium bei Prof. Alexander von Wagner (1838-1919). 1869 zog er in die Schweiz, wo er seine neue Heimat fand. In Zürich arbeitete er ab 1870 zunächst für das photographische Atelier Johannes Ganz (1821-1886)..
1887 wurde die Familie Boscovits in Zürich eingebürgert, wo sie seit 1869 lebte.

 
Er gründete 1875 zusammen mit dem Journalisten Jean Nötzli (1844-1900) die Schweizer Satire-Zeitschrift "Nebelspalter", von 1902 bis 1912 übernahm Boscovits zudem nach dem Tod von Jean Nötzli im Jahre 1900 die Funktion des Verlegers der Zeitschrift. Interims (von 1900 bis 1902) wurde die Zeitschrift von J. Hauser geleitet. Ende 1912 trat Johann Friedrich Boscovits als Redaktor zurück, blieb aber als Zeichner dem Nebelspalter erhalten. Seine Nachfolger wurden Rudolf W. Huber und Fritz Ebersold.
Nur zwei Jahre später übernahm der Verleger Jean Frey (1861-1951) den Verlag und Paul Altheer wurde Redakteur.
Der Nebelspalter avancierte in den kommenden Jahren zur führenden Satirezeitschrift der Schweiz, die auch heute noch existiert und somit die älteste noch bestehende Satirezeitschrift der Welt ist.

Während Jean Nötzli ein grosses Netzwerk besass und für die Wirtschaftlichkeit und als Verleger und Redaktor für die Publikation zuständig war, fiel Johann Friedrich Boscovits der künstlerische Teil zu. In den ersten Jahren zeichnete er nahezu alleine die zahlreichen Illustrationen (nur ein Jodocus Thunitgut wird viermal im Jahre 1875 und einmal 1876 als Zeichner erwähnt), erst nach und nach gesellten sich weitere Künstler hinzu, so ab 1878 Emil Friedrich Graf, ab 1888 Evert van Muyden alias Pastarella und Heinrich Jenny, ab 1889 Henri van Muyden und sein Sohn Fritz Boscovits alias Bosco, ab 1890 Emil Dill und ab 1893 Willy Lehmann-Schramm.
Leider wurden in den Nebelspalter-Publikationen in den ersten Jahren viele Zeichnungen ohne Namensnennung oder Signatur abgebildet, daher sind in der Nebelspalter-Galerie von Johann Friedrich Boscovits nur jene Zeichnungen abgebildet, die seine Signatur tragen. Vermutlich dürften aber viele weitere Zeichnungen ohne Signatur ebenfalls von ihm stammen.

In späteren Jahren gesellten sich zahlreiche weitere Künstler hinzu, die oftmals beim Nebelspalter ihre Laufbahn als Illustrator begannen.

Während 40 Jahren prägte Johann Friedrich Boscovits das Erscheinungsbild des Nebelspalters mit seinen Zeichnungen.
 
Neben seiner langjährigen Tätigkeit als Illustrator des Nebelspalters war Johann Friedrich Boscovits schon früh mit dem Zürcher Sechseläuten verbunden und er gestaltete bereits ab 1870 die Festprogramme und gestaltete Kostüme für diese Feierlichkeit und er blieb bis zum ersten Weltkrieg aktiv. Er wurde noch vor seiner Einbürgerung Mitglied der Zunft zum Widder im Jahre 1876 und 1902 avancierte er zum Delegierten im Zentralkomitee und wurde in die künstlerische Kommission gewählt.

Auch in anderen Gremien war Johann Friedrich Boscovits tätig, darunter ab 1906 als Mitglied im Verein Zürcher Presse, wo er 1910 in den Vorstand gewählt wurde sowie ab 1913 als Mitglied des nachfolgenden Zürcher Pressevereins.

Daneben war er auch kunstgewerblich tätig, schuf Glasmalereien und einzelne zeichnerische Beiträge erschienen in der Schweizer Wochenzeitung.

Für den Joggeli-Kalender zeichnete er nicht nur einige Innenillustrationen sondern kreierte auch mehrere Titelbilder.

Desweiteren war er im Vorstand des Zürcher Pressevereins.

1885 entwarf Johann Friedrich Boscovits anlässlich der Zwingli-Feier die Kostüme für die Aufführung "Ulrich Zwingli's Tod".

Trotz seiner intensiven Tätigkeit für den Nebelspalter und das Zürcher Sechseläuten fand er Zeit, auch andere Aufträge entgegenzunehmen. So inserierte er 1912 seine Dienste für kalligraphische Arbeiten für Diplome und Urkunden, Plakatentwürfe und Porträts in Öl und Aquarell.

Seine Arbeiten unterzeichnete er jeweils mit J. F. Boscovits, J.F.B und F.B. Letztere Variante führt teilweise zu Problemen zur Unterscheidung zu Arbeiten seines Sohnes, da dieser in den frühen Jahren ebenfalls das Kürzel F.B. verwendete.
  
Johann Friedrich Boscovits war seit 1870 mit Mathilde Adam (verstorben 1910) verheiratet, die aus der bekannten Künstlerfamilie Adam aus München stammte. Ihr Vater war der Lithograph Julius Adam (1821-1874).
Sein Sohn Fritz Boscovits (geboren 1871) wurde ebenfalls ein bekannter Illustrator und Maler, der über 70 Jahre lang den Nebelspalter mit seinen Zeichnungen prägte und die Arbeiten meist mit Bosco signierte. Sein zweiter Sohn Julius Boscovits kam 1873 zur Welt. Als Nachzüglerin folgte 1889 die Geburt seiner Tochter Irma Boscovits.

Johann Friedrich Boscovits verstarb am 23. November 1918 in Zürich im Alter von 73 Jahren auf tragische Weise. Als er zur Mittagszeit die Quaibrücke überschritt, wurde er von einem Taxifahrer erfasst und zu Boden geschleudert. Kurze Zeit später verstarb er im Kantonsspital an den schweren Verletzungen.  Der Fahrer Fritz Siegrist wurde  im Mai 1919 wegen fahrlässiger Tötung zu drei Monaten Gefängnis verurteilt.

Weitere Informationen zu J. F. Boscovits findet man auf der Nachlass-Seite der Familie.


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