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Biographie

Sita Jucker (geb. Bruder) kam am 21. April 1921 in Rheinfelden zur Welt.

Sie war eine erfolgreiche Malerin, Graphikerin und vor allem Illustratorin von Kinder- und Jugendbüchern. 

Bereits als Kind fiel sie wegen ihres grossen Zeichentalents auf, das ihre Eltern schon früh mit Malunterricht bei Jakob Strasser (1896-1978) förderten. Später besuchte sie die Kunstgewerbeschule in Basel, worauf weitere Ausbildungen in Genf an den "Beaux Arts" und in Paris an der "Ecole Paul Colin"folgten.

Den Gedanken Zeichenlehrerin zu werden verwarf sie schnell wieder, da sie als Linkshänderin zu jener Zeit kaum Chancen gehabt hätte, in diesem Berufes eine Stelle zu finden. 
So arbeitete sie zunächst als Modezeichnerin, Textilentwerferin und Schaufenster-Dekorateurin. 

Nach ihrer Heirat mit dem Architekten Werner Jucker und der Geburt ihres ersten Kindes arbeitete sie zunächst als Illustratorin für Zeitungen und Zeitschriften (u.a. "Brückenbauer", "Der Kirchenbote" und "Elle"). Später illustrierte sie auch zwei Lesebücher des Kantons Zürich (1969 das Lesebuch für die 3. Klasse sowie 1970 das Lesebuch 4. Klasse). Zudem gestaltete sie viele Buchumschläge für Jugendbücher, wie auch rund 20 der damals populären SJW-Hefte, ehe schliesslich der Bereich der Bilderbücher eine immer bedeutendere Rolle in ihrer Karriere einnahm.

Mit ihren Arbeiten für Kinderbücher fand sie ihre dankbarste Herausforderung. Sie zeichnete Bilder zu Texten zahlreicher Autoren, oftmals für Max Bolliger und Regine Schindler. Sie verfasste aber auch eigene Geschichten, einige liess sie von der Autorin Ursina Ziegler in Versform umsetzen wie "Squaps, der Mondling" (69) - ihre erste Kinderbuchillustration zu einer eigenen Geschichte - "Peppino" (71) und "Der grosse Uk" (80). Bei diesen Büchern entwickelte sie jeweils zuerst die Bilder; erst danach entwarf sie dann einen Text dazu.

Sita Jucker schrieb einmal, dass ihre liebste Arbeit zur Umsetzung eines Buches das Entwerfen der Maquette sei. Dies ist ein aus Papierblättern gefaltetes Büchlein mit der genauen Seitenzahl des zukünftigen Buches (oftmals im Massstab 1:3). Die Seiten werden wie ein Drehbuch gestaltet und sie achtet darauf, dass die Bilder durch Abwechslung eine Spannung erhalten, dass auf grosse helle Bilder auch dunkle ruhige Bilder folgen.

Wenn schliesslich alle Bilder erstellt und die Gespräche mit den Verlegern abgeschlossen waren, folgte das Warten auf das gedruckte Buch - ein Moment, dem sie eher ängstlich entgegenblickte. Als selbstkritischer Mensch war sie mit den fertigen Büchern meist nicht glücklich und fand, diese Zeichnung hätte sie anders angehen und jenes Detail besser gestalten müssen. Erst nach ein paar Tagen wurde ihr Blick jeweils milder gestimmt und sie konnte sich über das vorliegende Resultat freuen.
 
Sita Juckers Werke wurden bald auch im Ausland bekannt, einige Bücher verkauften sich sogar im asiatischen Raum sehr erfolgreich, u.a. "Das Märlitram/Die Märchenbahn".

Die Malerin scheute sich auch nicht den Kindern „schwierige Themen“ näher zu bringen: beispielsweise mit "Marianne denkt an ihre Grossmutter" (1986) wo sie die Bilder zu einem Text von Bettina Egger schuf, in welchem ein Mädchen den Tod ihrer Grossmutter verarbeiten muss oder mit "Mia, was ist ein Trip?", (1994 geschrieben von Regine Schindler) bei dem eine drogensüchtige Jugendliche im Mittelpunkt steht.

Es folgten Ausstellungen in New York (Metropolitan Museum, Tokio, Wien und Paris (Centre Pompidou)).

Ende der 50er Jahre schuf sie sieben Marionetten sowie das Bühnenbild für die "Zürcher Marionetten" für das Stück "Betly" - eine komische Oper von Gaetano Donizetti.

Eine erstaunliche Fähigkeit von ihr war, dass sie handschriftliche Notizen auf ihren Zeichnungen spontan auch in Spiegelschrift schrieb. Nicht selten finden sich auf dem gleichen Blatt sowohl die Normal- als auch die Spiegelschrift. Das mag auch daran liegen, dass sie zunächst nur mit ihrer linken Hand malte und schrieb, in der Schule aber gezwungen wurde Rechtshänderin zu werden - und schliesslich beide Hände gleich gut einsetzen konnte. Dabei führte sie mit der rechten Hand eher Entwürfe und intuitive Umsetzungen aus, die linke Hand war für die Reinzeichnungen und das Malen verantwortlich.
Sie nutzte dieses Talent aber auch bei Veranstaltungen vor Schulklassen. So zeichnete sie einmal mit der linken und rechten Hand gleichzeitig zwei spiegelgleiche Katzen, die aufeinander zuspringen - unter grossem Jubel der zuschauenden Schüler.

Sita Jucker zeichnete fast dauernd; so auch während sie telefonierte - dabei entstanden oft sogenannte Doodles, die sie manchmal später weiterentwickelte, je nachdem, was sie in dem jeweiligen Doodle am Ende erkannte. So war keine freie Fläche vor ihr sicher, auf der sie etwas zeichnen konnte. Seien es die Rückseiten von Briefen, bedrucktes Schreibpapier oder gar Pappteller für Kuchen. Das Zeichnen brauchte sie wie die Luft zum Atmen.

Für ihr Lebenswerk wurde sie 1986 mit dem Schweizerischen Jugendbuchpreis ausgezeichnet. 

Sita Jucker war eine sehr selbständige Frau, die sich auch stark für die Emanzipation interessierte. So war es in den 50er-Jahren nicht alltäglich, dass sich eine Zeichnerin und Malerin eine unabhängige Karriere aufbaute. Ihre Eigenständigkeit war für sie darum auch im Alter von zentraler Bedeutung: Unter keinen Umständen wollte sie hilflose in einem Heim enden. Als sich die Zeichen des Alters bemerkbar machten wählte sie am 14. Januar 2003 in Schwerzenbach, wo sie seit 1954 wohnte, den Freitod, um in Würde ihr Leben abschliessen zu können - nur wenige Tage nach der Beendigung ihrer letzten Ausstellung in Zürich.
 
Zu Ehren von Sita Jucker wurde am 15. Mai 2008 in Schwerzenbach der "Sita-Jucker-Weg" eingeweiht.




Hinweis:
Alle abgebildeten Zeichnungen auf dieser Homepage und Folgeseiten der Künstlerin Sita Jucker mit freundlicher Genehmigung der Familie Jucker.

Fotos:
* mit freundlicher Genehmigung © Ruth Vögtlin
** mit freundlicher Genehmigung 
© Thea Goldmann / Fotostiftung Schweiz
*** mit freundlicher Genehmigung © Dominique Meienberg


Die Abbildungen der Werke von Sita Jucker dienen ausschliesslich der Illustration der Arbeiten der

Künstlerin. Die Verwendung von Dritten ist ohne Erlaubnis der Rechteinhaber nicht zulässig.