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Basierend auf der Biographie "Auf und davon" von Heinz Stieger

Das Leben des Illustrators und Malers Heinz Stieger war nicht nur durch sein künstlerisches Können geprägt sondern auch durch Abenteuerlust, starkem Freiheitsdrang und ausbrechen aus dem steifen Bürgertum. Man könnte sein Leben sehr gut auch für eine Verfilmung heranziehen.

Er wurde am 10. November 1917 in Elgg in eine gut situierte Familie hineingeboren – sein Grossvater mütterlicherseits war Hermann Gilli (1850-1930), seines Zeichens Erbauer und Besitzer des Kurhauses Castell in Zuoz 1912, der nebst der Hotellerie auch als Weinhändler tätig war. Während des 2. Weltkrieges war die Familie gezwungen, das Castell zu verkaufen - siehe auch "Geschichte zum Castell Zuoz".
Hermann Gilli war u.a. auch Mit-Initiant für den Bauauftrag der Internatsschule „Lyceum Alpinum“ in Zuoz 1902, welches 1904 eröffnet wurde. Zudem übernahm er bereits 1887 das Hotel Concordia in Zuoz, welches die höchstgelegene Kaltwasserheilanstalt in Europa war. Er errichtete auch das Kinderheim Bellaria im Dorf.

Seine Tochter Erica Gilli (1888-1975) heiratete 1915 den Kaufmann Robert Ferdinand Stieger (1874-1941, geschieden, Vater von drei Kindern). 1916 kam die Tochter Doris und ein Jahr später der Sohn Heinz Stieger zur Welt.
Da sein Vater bei Heinz Stiegers Geburt bereits 43 Jahre alt war und dieser eine autoritäre Erziehnung verfolgte und wenig Zeit mit seinen Kindern verbrachte, entstand keine enge Bindung zwischen ihnen. So durfte man am gemeinsamen Mittagstisch kein Wort reden und Heinz Stieger fühlte sich schon bald ohne „Nestwärme“ in einem goldenen Käfig gefangen und er entwickelte einen grossen Unabhängigkeitswillen.

So riss er bereits im Alter von 8 Jahren erstmals aus, um nach „Indien“ zu gehen. Er kam mit seinem Trottinett immerhin 30km weit.
Er rebellierte in den kommenden Jahren und mit 11 Jahren wurde er wegen verschiedener Missetaten vor den versammelten Gemeinderat gestellt, wo man mit Erziehungsheim drohte.

Doch bereits im Jahr darauf riss er nach Deutschland aus, um als Matrose um die Welt zu ziehen. Nach seiner Rückführung wurde er für drei Jahre in ein Erziehungsheim gesteckt.

Nach seiner Entlassung wurde er ein Aktivmitglied in einem Boxclub in Zürich und er begann, erste berufliche Richtungen auszuloten, u.a. ging er gelegentlich in eine Kunstgewerbeschule, begann eine Gärtnerlehre und besuchte eine Landwirtschaftsschule.

1934 folgte erneut ein Ausbruch aus dem Alltag und er meldete sich in Frankreich für die Fremdenlegion, ein Ort, der Abenteuer und die weite Welt verhiess. Er erhielt die Mitgliedsnummer 66293.
Doch die dort herrschende Disziplin entsprach nicht seinem Drang nach Freiheit und Abenteuer und so kam es, dass er aus der Fremdenlegion auszureissen versuchte. Es folgten turbulente Jahre und er hätte bei mehreren Gelegenheiten beinahe sein Leben verloren.
So führte ihn sein erster Ausbruchsversuch von Saida bis nach Oran (130 km), wo er schliesslich verhaftet und für 45 Tage der sogenannten „Prison discipline“ unterzogen wurde.

Bei seinem zweiten Fluchtversuch von Saida gelangte er bis nach Marokko (200 km), wo er jedoch kurz vor der Grenze von einer Horde Araber gestellt wurde. Da Heinz Stieger im Reflex ein Bajonett zog, wurde er von den Arabern gesteinigt und er überlebte nur Dank des Eingreifens der Garde-Mobile. Es folgte ein einmonatiger Spitalaufenthalt in Tlemcen in Algerien.
Nach seiner Genesung musste er für seinen Fluchtversuch erneut die „Prison discipline“ über sich ergehen lassen.
Anschliessend wurde er zuerst nach Fès, dann nach Erfoud versetzt. Die Truppe wurde später nach Taza verlegt.

Bei seinen Fluchten war er oftmals auf Nomaden angewiesen, um Wasser und Nahrung zu bekommen. In der Nacht orientierte er sich an den Sternen und tagsüber war es oft ein Problem, sich verstecken zu können oder Schattenplätze zu finden.

Das „Prison discipline“ beschrieb Heinz Stieger später als Horror-Trip mit allen Schikanen, Demütigungen und zum Teil Folter, mit dem Ziel, den Willen zu brechen.

 Von dort gelang ihm im Neujahr 1937 zum dritten Mal die Flucht, was vorgängig einer sorgfältigen Planung bedurfte. Es war Winter, regnerisch und gebirgig und zudem kaum besiedelt. Mit Datteln, Kochschokolade, einem Kompass und einer Taschenlampe ausgerüstet gelangte er nach Ain Zorah (Spanisch Marokko). So wurde er in die Spanische Revolution mit hineingezogen und es folgten Gefängisaufenthalte in Melilla, Tetouan, Ceuta und Algeciras.

Algeciras war seine zunächst letzte Station in einem unübersichtlichten Lebensabschnitt, denn schliesslich wurde er vom Schweizer Konsul in Sevilla ausgelöst und in die Schweiz zurückgeschickt.

 In Zürich angekommen begann Heinz Stieger eine Fotografenlehre und er holte die Rekrutenschule nach.
 Bei der Mobilmachung meldete er sich für den freiwilligen Grenzschutz, danach meldete er sich anfangs 1940 freiwillig für die Front.
Er wurde zwar aufgenommen, da aber noch ein Haftbefehl aus seiner Zeit als Fremdenlegionär ausstehend war, wurde er in Fès vor das Kriegsgericht gestellt und zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt, da er als spionageverdächtig galt.
So wurde Heinz Stieger ins Militärgefängnis Port Lyautey überstellt. Dort hatten die Gefangenen viel Zeit und so kam Heinz Stieger mit dem Schachspiel in Kontakt. Daraus entstand eine Leidenschaft, die ihn sein Leben lang begleitete und sich auch in einigen Illustrationen niederschlug.

 Aber wie schon zuvor konnten ihn keine Mauern halten und zusammen mit vier Mithäftlingen gelang ihm erneut die Flucht über drei Mauern mit einer Höhe von bis zu fünf Metern.
Unter einem Zug auf einer Achse platziert fuhren die Flüchtlinge bis an die Grenze, konnten diese aber nicht unbemerkt überqueren. So versteckten sie sich in einem Güterwagon, wurden jedoch in Casablanca verhaftet.

Vor Gericht wurde Heinz Stieger freigesprochen und rehabilitiert. Er wurde in das 3. Regiment nach Agadir versetzt.

Im Sommer 1943 landete die US-Force in Casablanca und der Widerstand war nach zwei Tagen gebrochen. Heinz Stieger half bei der Versorgung der Verwundeten und barg die Gefallenen.
Danach wurde er nach Marrakesch versetzt, wo er wegen einer Blutvergiftung in ein Spital kam. Es folgte die provisorische Einweisung in ein Arbeitslager bei Settat, wo er für die Aufforstung eingesetzt wurde.

Nach seiner Entlassung aus dem Arbeitslager erhielt er eine Arbeitsbewilligung in Marokko. Dort arbeitete er zunächst als Schriftenmaler bei der Air Force auf einem Militärflughafen.
Weitere Anstellungen folgten als Gärtner und Zeichner bei Dr. Med. Igert, Colonel in Marrakesch, auf der Farm „Sada“ für Mr. Surleau, als Hilfszeichner bei einem Architekten in Casablanca und als Magaziner und Hilfsbuchhalter bei Sté. Nestlé in Casablanca.

1946 kehrte er in die Schweiz zurück, wo er ein letztes Mal zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr verurteilt wurde wegen seiner Dienste bei der Fremdenlegion.

 Aus dem Gefängnis entlassen bekam sein Leben eine Struktur. Dank eines Stipendiums konnte er 1947/48 an die Kunstgewerbeschule St. Gallen gehen und er erhielt eine erste Anstellung bei PKZ und war danach Grafiker bei Kleider Frey Wangen.
 Der Drang in die Welt hinaus liess ihn noch nicht ganz los und er ging nach Norwegen, wo er auf Salmonrud auf einer Farm arbeitete.

Wenige Monate später ging er in die Schweiz zurück und arbeitete ab 1950 als selbständiger Illustrator, Maler und Karikaturist.

Ebenfalls 1950 heiratete er Margot Roth. Sie brachte einen Sohn in die Ehe und kurze Zeit später wurde Tochter Erica geboren. Mit der Geburt seiner Tochter fand er einen Ankerpunkt und er wurde sesshaft. Die Zeit der Abenteuer in fremden Welt war Vergangenheit.

In den kommenden Jahrzehnten etablierte sich Heinz Stieger als begehrter Illustrator und er arbeitete schon bald für bekannte Publikationen wie Ex Libris (ab anfangs der 50er Jahre bis anfangs der 80er Jahre) – vor allem Schallplattenhüllen und Buchumschläge, den Brückenbauer (rund 20 Jahre lang), den Benziger Verlag für zahlreiche Buchillustrationen, den Schweizer Spiegel (1951-1970), UNICEF (Postkarten), die Schweizer Illustrierte, die Schweizer Familie, Meyers Modeblatt (30 Jahre lang), Edito Service Genève (Buchillustrationen), Züri-Leu und natürlich den Nebelspalter, für den er von 1962 bis 2000 zeichnete.
Bereits 1956 konnte er im Stadthaus Zürich erstmals in einer Ausstellung seine Arbeiten zeigen.
Erotische Illustrationen schmückten Magazine wie „Playboy“, „Pardon“ und „Penthouse“.

Auch für die Werbung wurden die Zeichenkünste von Heinz Stieger gerne in Anspruch genommen, so für die Agentur Gisler, die ZKB, den Schweizer Verkehrsverein, Swissair, SBB, Cartoons für Wandkalender von Sandoz-Wander Pharma AG, ABM Mode  und Coop Mode.

Seine wohl populärsten Arbeiten, die viele noch aus ihrer Kindheit kennen, sind sicherlich die bunten Schallplatten-Cover für die Kasperli-Geschichten mit den Stimmen von Jörg Schneider, Ines Torelli und Paul Bühlmann für den Ex Libris Verlag. Insgesamt erschienen 22 Platten. Beispiele dieser Zeichnungen kann man im Internet betrachten. Für 1 Million verkaufte Schallplatten erhielt auch Heinz Stieger eine Platin-Schallplatte im Jahre 1982.
Diese werden auch heute noch von Tudor unverändert publiziert.

Als Maler konnte Heinz Stieger nicht an die Erfolge als Illustrator anknüpfen, dennoch schuf er zahlreiche einvernehmende Bilder. Speziell zu erwähnen sind hier seine „rostbefallenen Skulpturen-Gemälde“, die den Betrachter unweigerlich in den Bann ziehen sowie die in leuchtenden Farben gehaltenen Abstraktionen. Aber auch mit seinen Katzenbildern war er sehr erfolgreich und fand viele Käufer dieser Bilder.

Ausgesuchte Werke von Heinz Stieger befinden sich im Besitz des Karikatur-Museums in Basel und dem „Wilhelm Busch-Museum“ in Hannover.

2006 kam ihm zu Ehren eine Sonderbriefmarke der Schweizer Post heraus.

Heinz Stieger fasste seine wilden Jahre – die er selbst als Wanderjahre und Irrfahrten beschrieb - wie folgt zusammen: „Ich wollte immer wissen, was hinter dem Horizont ist – um nie mehr zurückzukommen“.

Heinz Stieger verstarb am 19. August 2008 im Alter von 90 Jahren.

In seiner Frau Margot Stieger hatte er die ideale Lebenspartnerin gefunden. Auch sie war künstlerisch sehr aktiv und schuf eigene Puppen inkl. Puppenkleidung, Reliefe & Strukturen, Skulpturen, Wandteppiche, Schaufensterdekorationen und sie war als Malerin tätig. Einen Ausschnitt Ihrer Arbeiten und eine Biographie findet man unter "MARGOT STIEGER".


Hinweis:
Alle abgebildeten Zeichnungen auf dieser Homepage und Folgeseiten des Künstlers Heinz Stieger mit freundlicher Genehmigung der Erben von Heinz Stieger © (Fam. Stieger-Reichenbach). 

Die Abbildungen der Werke von Heinz Stieger dienen ausschliesslich der Illustration der Arbeiten des
Künstlers. Die Verwendung von Dritten ist ohne Erlaubnis der Rechteinhaber nicht zulässig.