International bekannter Bühnenbildner, Maler, Illustrator und Graphiker (1909 - 1989)
 



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Biografie

Fritz Butz wurde am 5. Mai 1909 in Wasseralfingen als Friederich Butz im deutschen Würtemberg geboren.

Die jungen Jahre

Bereits 1914 wanderte die Familie aufgrund der sich zuspitzenden politischen Situation in die Schweiz aus. Der Vater war Deutscher, die Mutter Schweizerin. Sie übernahmen von einem Verwandten in Olten die Gaststätte „Krone“, die auch über ein Variété verfügte. So wurde der kleine Fritz Butz schon früh mit dieser Kunstform konfrontiert. Doch das Familienglück hielt nicht lange an. Mit Ausbruch des 1. Weltkrieges musste sein Vater als deutscher Staatsangehöriger zur Armee. 1916 geriet er schliesslich in russische Gefangenschaft. Daher musste seine Mutter die Gaststätte aufgeben und sie gingen nach St. Gallen, wo sie in ihrem erlernten Beruf als Schneiderin den Lebensunterhalt verdiente.
Der Vater kehrte erst nach Kriegsende zur Familie zurück und arbeitete fortan in einer Buchdruckerei.

Ausbildung und Wanderjahre

Fritz Butz erhielt eine höhere Schulausbildung am Gymnasium und beendete diese mit der Maturität. Wichtiger jedoch war die Begegnung mit dem Zeichenlehrer Prof. Ch. A. Egli, welcher ihn in seinem künstlerischen Bestreben bestärkte und die Eltern überzeugte, eine künstlerische Laufbahn von Fritz Butz zu unterstützen. Eine erste Ausstellung folgte bereits 1927 in der Fehr‘schen Buchhandlung in St. Gallen. So besuchte Fritz Butz ab 1929 die Kunstgewerbeschule in Stuttgart, wo er zwei Jahre lang lernte. Daneben arbeitete er im Malatelier von Ernst Schneidler und er verdiente sich seinen Lebensunterhalt mit Schreibarbeiten bei einem Baugeschäft.

In Zürich zuhause

1931 kehrte er mit erfolgreichem Abschluss in die Schweiz zurück und er begann, als Graphiker in Zürich zu arbeiten. Doch nur einen Monat später gab er die Stelle wieder auf und er wagte den Sprung in die Selbständigkeit und konnte diese erfolgreich bis zu seinem Lebensende fortführen.

Fritz Butz etablierte sich schnell als Graphiker und Illustrator und er kreierte in den 30er und 40er Jahren Anzeigen, Einwickelpapier, Plakate und zahlreiche Buchumschläge und Buchillustrationen.

Zu Butz’ Buchillustrationen gehören sowohl Märchenbücher wie „Die Bremer Stadtmusikanten“, „Dornröschen“ oder „Frau Holle als auch Unterhaltungs-
bücher wie „Der Tee der drei alten Damen“, „Reise ins Abenteuer“ oder „Sie liebt mich, sie liebt mich nicht“. Oftmals arbeitete er mit dem Autor Fridolin Tschudi zusammen.

Schliesslich durfte er für namhafte Firmen Graphiken entwerfen. Zu seinen Kunden gehörten die Swissair, die SBB und Publikationen wie der „Nelly Kalender“, die „Weltwoche“ (hier arbeitete Fritz Butz von 1944 bis 1966 mit Fridolin Tschudi zusammen und deren Arbeiten zierten jeweils die Titelseiten dieser Zeitung), die „Neue Zürcher Zeitung“ - hier erschienen während 15 Jahren zahlreiche Inserate für die Landes-Lotterie mit Zeichnungen von Fritz Butz und Sprüchen von Fridolin Tschudi (die besten Arbeiten wurden jeweils Ende Jahr in Form eines kleines Heftchens herausgegeben), der „Schweizer Spiegel“ und die „Annabelle“, für die er seit Ende der 30er Jahren Illustrationen beisteuert. Er prägte die Plakatkunst Mitte des 20. Jahrhunderts in der
Schweiz mit.

Gret Bucherer

1933 lernte Fritz Butz Gret Bucherer (geb. 1912), genannt Wulli kennen. Sie war als ältestes von 6 Kindern in einem Haus mit vielseitigem, kulturellem Milieu ohne Bargeld aufgewachsen, wie sie selbst berichtet. Die Türe sei immer für alle Freunde ihrer Eltern offen gewesen. Hermann Hesse, Gottlieb und Adele Duttweiler und viele andere bekannte Persönlichkeiten gehörten dazu. Sie bestand ihren Berufsabschluss als erste Schaufenster-Dekorateurin der Schweiz.
Wulli war eine attraktive Frau, chic, frech, extravagant und auf guten Geschmack bedacht.

Auch Max Frisch widmete ihr ein paar Zeilen:
Ihre Augen versprechen
Eure Herzen zu brechen
Aber sie weiss sehr woll
Was sie will und nicht soll

Am 18. Nov. 1933 heiraten Fritz und Wulli. Trauzeuge war Alois Carigiet. Sie zogen 3 Töchter gross Nanni und die Zwillinge Margrit und Ursula.
Wulli war für Butz ein fester Rückhalt und nicht nur seine beste Mitarbeiterin, sondern auch seine strengste Kritikerin.

Cabaret Cornichon und Corsotheater

Einen bedeutenden Wendepunkt in seiner Karriere stellte die in den 30er Jahren aufkommende Cabaret-Szene in der Schweiz dar.
1934 wurde das legendäre „Cabaret Cornichon“ gegründet und kurz darauf wurde Fritz Butz von Alois Carigiet als Bühnenbildner für das Cabaret empfohlen. Fritz Butz war bis zur Einstellung des Cabaret Cornichon immer wieder für die Ausstattung zuständig, später wurde er Bühnenbildner des „Cabaret Kaktus“ von Alfred Rasser und des „Cabaret Federal“.
Im gleichen Jahr debütierte er als Bühnenbildner beim Corsotheater und stellte damit die Weichen zu seiner späteren internationalen Karriere beim Theater. Mit der Ausstattung einer Revue von Josephine Baker agierte erstmals auch ein internationaler Star in seinen Kulissen.

Einer der gesuchtesten Bühnenbildner und Kostümzeichner an den deutschsprachigen Bühnen Europas

Es entwickelte sich schliesslich eine arbeitsintensive und erfolgreiche Karriere als Bühnenbildner und Kostümdesigner, die Fritz Butz an grosse Bühnen führte wie das Schauspielhaus und Stadttheater Zürich (ab 1942). Der Durchbruch folgte mit seinem Engagement für die Aufführung von „Der schwarzen Hecht“ am Pfauentheater 1948. Ab den 50er Jahren auch in den Nachbarländern wie dem Stadttheater Baden-Baden, dem Schlossparktheater Berlin,
dem Schillertheater Berlin, dem Theater an der Josefstadt in Wien, dem Burgtheater in Wien, den Münchner Kammerspielen und den Städtischen
Bühnen in Frankfurt. Weitere Destinationen umfassten Amsterdam, Hamburg, Venedig, Kopenhagen, Lissabon, Palermo, Genf usw.
Seine imposante Laufbahn beim Theater umfasste die Jahre 1934 bis 1981.

Fritz Butz konnte sich in den 40er Jahren nicht über mangelnde Aufträge beklagen und er richtete sich im Corso-Haus am Bellevue Zürich ein Atelier ein. Angestellte halfen, die anfallende Arbeitslast zu bewältigen.

Internationale Bühnenbildausstellung in Rom

1946 waren in Rom Arbeiten von Fritz Butz an der ersten Internationalen Bühnenbildausstellung nach dem Krieg ausgestellt, nebst Kollegen wie Max Röthlisberger, Teo Otto, Hans Fischer, Alois Carigiet und Charles Hindenlang, die die Schweiz vertraten.

Raumgestaltung

Anschliessend folgten auch erste Aufträge für Raumgestaltungen, darunter für das Suvrettahaus in St. Moritz, das Hotel Atlantis in Zürich, das Bergrestaurant Uto-Kolm auf dem Uetliberg und 1951 die Umgestaltung des „Mascotte“ im Corsotheater in die „Corso-Bar“.
Als ein Brand 1979 einen grossen Schaden im Bergrestaurant Uto-Kulm anrichtete, wurde Fritz Butz erneut beauftragt. Dieses Mal war er für die gesamte Raumgestaltung verantwortlich, welche sogar Tischwäsche, Teller, Kerzenständer, Vorhänge, Wandschmuck und Kronleuchter umfasste.

Schweizer Film

Heute fast vergessen ist auch das Wirken von Fritz Butz als Filmausstatter und Kostümdesigner im frühen Schweizer Film.
Zu seinen filmischen Arbeiten gehören „Dilemma“ (1940), „Das Menschlein Matthias“ (1941), „Emil, mer mues halt rede mitenand“ (1941), „Der letzte Postillon vom St. Gotthard“ 1941), „Bieder der Flieger“ (1941), „Landammann Stauffacher“ (1941), „Romeo und Julia auf dem Dorfe“ (1941), „Gilberte de Courgenay“ (1941), „Menschen, die vorüberziehen“ (1942), „Steibruch“ (1942), „Sieg des Herzens“ (1942), „Das Gespensterhaus“ (1942), „Gottesmühlen“ (1942), „Matura-Reise“ (1943) und „Das Leben beginnt“ (1943). Damit gehörte Fritz Butz zusammen mit Robert Furrer zu den bedeutendsten Filmausstattern dieser Jahre. 1945 war Fritz Butz für die Gesamtgestaltung der Filmausstellung im Kunstgewerbemuseum verantwortlich.


Filmkulisse zu "Emil, me muess
halt rede mitenand" 1941

Filmkulisse zu "Gilberte de Courgenay" 1941

Filmkulisse Maleratelier zu "Matura-Reise" 1942

Filmkulisse "Menschen, die vorüberziehen" 1942

Filmkulisse "Der letzte Postillon vom St. Gotthard" 1948

Danach verliess Butz das Filmgeschäft, um sich auf seine Illustrationen und Bühnenbilder zu konzentrieren. Erst ab 1955 wirkte er nochmals bei einigen Filmen mit - „Die Schule der Väter“ (1955), „Das Mädel aus der Vorstadt“ (62), „Seelische Grausamkeit“ (1963) und „Holiday in Switzerland“ (1969).
Daneben verfasste er das Drehbuch zum Film „Gotthardexpress 41“ (1941).
1947 kreierte er zudem das Signet der neugegründeten „Condor Film AG“ von Heinrich Fueter.

Zürcher Künstler Maskenball

Fritz Butz gehörte zu den Mitinitianten des Zürcher Künstler-Maskenballs. Er schuf dafür nicht nur Plakate sondern stattete seit Mitte der 30er Jahre oftmals auch den Festsaal aus.

Das bildnerische Werk

Nachdem sich Fritz Butz 1981 vom Theaterleben zurückgezogen hatte zog es ihn in den Süden und er nutzte die neugewonnene Zeit, zum Reisen und sich ausschliesslich als Maler und Aquarellist zu betätigen.
Schon seit den 50er Jahren führten ihn seine Reisen ans Mittelmeer und nach Mittelamerika. Seine Bilder waren geprägt von den dort gemachten Erfahrungen und Eindrücken. Gerne hielt er die Einheimischen in ihrer Umgebung fest, auch Boote und Schiffe, die die grosse Freiheit verhiessen, nahmen einen wichtigen Teil in seinen Arbeiten ein. Seine bevorzugten Destinationen waren Spanien, Portugal, Frankreich, Jugoslawien, Griechenland und Tunesien – aber auch fernere Ziele wie die Dominikanische Republik, die USA und Mexiko lockten ihn. Auch in diesem Metier war er schnell erfolgreich und 1960 erhielt er im Salon Wolfsberg eine Einzelausstellung. Seine Gemälde wurden teilweise im fünfstelligen Bereich gehandelt.
Weitere Ausstellungen folgten in Zürich und Umgebung, in Basel und Ascona. Bis in die letzten Tage seines Lebens stand Butz im Atelier in Schwerzenbach vor seiner Staffelei.

Fritz Butz verstarb am 9. November 1989 im Alter von 80 Jahren in Schwerzenbach.

Fridolin Tschudi, sein langjähriger Begleiter, verfasste einen kleinen Vers über Fritz Butz:
Er zeichnet leicht und wiegt doch schwer
Bezüglich Kunst und Kilogramm,
und ist einmal sein Gläschen leer,
so inspiriert ihn um so mehr
cherchez la femme!

Erinnerungen

Ich kann mich sehr gut an diese Zeit erinnern. Wie ich Tag für Tag, bei Wind und Schneetreiben mit meinem Velovap, einer Art Mofa mit Vorderradantrieb, von Rümlang nach Schwerzenbach gefahren bin - 4 Jahre lang. Die Grafikerlehre empfand ich als sehr angenehm. Fritz war ein wunderbarer Lehrmeister. Er hat mir schon früh Aufträge gegeben, die ich selbständig bearbeiten konnte, wenn er, was öfters vorkam, im Ausland weilte. Ja und dann natürlich der Künstler-Maskenball. Das war das grosse Highlight für mich. Mit Fritz zusammen bemalten wir riesige Papierbahnen, die er entworfen hatte und hängten sie an Decke und Wände. Fritz war ein lieber, grosszügiger Mensch und Lehrmeister, dem ich viel zu verdanken habe.
Urs Maltry (1944) - heute selber ein bekannter Illustrator

Fritz Butz war ein Patriarch des ästhetischen Charmes, ein Herrscher, Ritter und Tänzer, fürstlich und verschwenderisch, mit einer Vorliebe für Mimisches, für Karnevaleskes und heitere Feste, für Rhythmen und Synkopen aus New Yorks Harlem, mit einer Neigung zu vitalem Rossini-Leben, zu liebenswürdigen Schwächen, zu Freundschaften und ausgedehnter Häuslichkeit. Schlicht: Ein begabter Lebenskünstler rundum, ein glücklicher Mensch in einem Leben, das eigentlich gar keine Optimierung mehr zuliess.
Hans Jenny



Weitere Fotos

Fritz Butz beim zeichnen
Foto aus Familienarchiv

Fritz Butz 1980
Foto aus Familienarchiv

Fritz Butz in Mexiko
Foto aus Familienarchiv

Fritz Butz in San Miguel de Allende 1983
Foto aus Familienarchiv

Fritz Butz in Puerto Plata 1985
Foto aus Familienarchiv

Fritz Butz zeichnend in seinem Garten
Foto aus Familienarchiv

 
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