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Biographie von Werner Büchi (1916 - 1999)

Der Cartoonist und Illustrator Werner Büchi wurde am 29. April 1916 in Zürich geboren.
 
Nach seiner schulischen Ausbildung in Wollishofen übernahm er eine Lehrstelle als Grafiker beim Zürcher „Schmidhof“, wo er zwei Jahre tätig war. Sein damaliger Chef schlug ihm vor, sich für die Kunstgewerbeschule zu bewerben - ein wegweisender Vorschlag.
Am 14. März 1934 erhielt Werner Büchi nach erfolgreicher Prüfung die Zusage der Gewerbeschule der Stadt Zürich, dass er in die Fachklasse für Graphik aufgenommen wurde. Die dortige Ausbildung dauerte vier Jahre.
 
Ebenfalls 1934 reichte Werner Büchi seine erste Zeichnung beim Nebelspalter anlässlich eines Wettbewerbs ein. 1936 folgte eine weitere Zeichnung für einen Wettbewerb zum Thema "Getränke-Steuer" und gewann promt den 1. Preis in Form einer Kiste Schnaps.
Danach entstanden so in den nächsten Monaten mehrere Beiträge aus der Hand von Werner Büchi und seine Arbeiten wurden erstmals im Nebelspalter abgebildet.
 
Schliesslich kontaktierte ihn der "Nebelspalter" und der Verleger Ernst Löpfe-Benz fragte ihn an, als Mitarbeiter der Publikation regelmässig Zeichnungen zu entwerfen.
So gab Werner Büchi seinen Beruf als Werbegrafiker auf und er startete ab 1936 eine äusserst erfolgreiche und arbeitsintensive Zusammenarbeit mit dem "Nebelspalter".
 
Er signierte die meisten seiner Zeichnungen bereits in diesen Jahren mit seinen Initialen WB und seine Arbeiten zeichneten sich durch einen klaren Strich aus.
 
Während des 2. Weltkriegs leistete er für 1000 Tage Aktivdienst, dennoch fand er immer wieder die Zeit, auch in jenen Jahren Cartoons und Karikaturen für den Nebelspalter beizusteuern.
Seine Zeichnungen prangten damals auch vereinzelt die Machenschaften der Roten oder die Untaten in Nazi-Deutschland an, so z.B. seine Zeichnung zur Totenkopf-SS. 



Damit zog er den Unwillen der deutschen Nationalsozialisten auf sich. Auch Schweizer Prominente und Bürokraten erhielten in jenen Jahren ihr Fett ab.

1942 bekam er vom Migros-Gründer Gottlieb Duttweiler den Auftrag, für die Wochenzeitung „Der Brückenbauer“ eine Figur zu entwerfen und so entstand „Der Brügglipuur“, der mit rund 2000 Zeichnungen über 52 Jahre hinweg die Zeitung zierte.
Auch privat verband die Männer eine Freundschaft und Werner Büchi beriet Gottlieb Duttweiler auch in dessen politischen Ambitionen.

Nach dem Krieg wurde er vom Chefredaktor der Weltwoche kontaktiert, es folgten der Ringier-Verlag und der Jean Frey Verlag. Seitdem sind viele weitere Publikationen hinzugekommen.
 
Beim Nebelspalter arbeitete Werner Büchi beinahe 60 Jahre lang bis 1994 und er schuf in dieser Zeit weit über 2'000 Zeichnungen. Er konzentrierte sich dabei hauptsächlich auf Missstände im eigenen Land und zeigte nur selten mit dem humoristischen Zeigefinger ins Ausland.
 
Das Ende der Zusammenarbeit mit dem Nebelspalter hinterliess jedoch einen bitteren Beigeschmack. Der infolge der Auflagenkrise (die Auflage des Nebelspalters sank in den Jahren 1986 bis 1993 von 52'000 auf 39'000 Stück) des Nebelspalters neuernannte Chefredaktor Iwan Raschle meinte, die Zeichnungen von Werner Büchi seien nicht mehr zeitgemäss, auch weil er nicht einzelne Personen in seinen Karikaturen gezielt angriff sondern stets das Thema. So beendete dieser die fruchtbare Zusammenarbeit kurzerhand. Dies traf den 78jährigen Werner Büchi tief und seine Enttäuschung über die Art und Weise der Beendigung des Arbeitsverhältnisses war gross. Die Neuausrichtung des neuen Redaktors zeigte sich schon bald als grosser Fehlschlag und die Auflage brach um weitere 50% ein. So war das Wirken des Redaktors nur von kurzer Dauer und er wurde bereits nach drei Jahren wieder ersetzt. Auch dessen Nachfolger Jürg Vollmer blieb nur kurz im Amt. Doch für Werner Büchi kam diese Einsicht des Nebelspalters zu spät und auch andere langjährige Zeichner, die das Bild des Nebelspalters prägten, hatten sich in der Zwischenzeit distanziert. Mehr Details zum Arbeitsende mit dem Nebelspalter findet man hier.
 
Werner Büchi arbeitete nicht nur für den „Nebelspalter“ und „Der Brückenbauer“ sondern auch für zahlreiche weitere Publikationen, darunter die "Schweizer Illustrierte", „Sie+Er“, den "Tages-Anzeiger", wo er den Cartoon „Heiri Zürcher“ zeichnete, den "TCS", die "Weltwoche", die „Wochenzeitung“, der „Sihltaler“, der „Anzeiger des Bezirkes Horgen und "Die Tat" (ab 1970). Eine grosse Anzahl an Bildern schuf er auch für den "Schweizer Eulenspiegel Kalender", für den er mehrere Jahrzehnte lang humoristische Beiträge bis kurz vor seinem Tod beisteuerte. Aber auch für Unternehmen war er kreativ, darunter für „Mövenpick“. Zudem entstanden Grafiken für Werbung und Wahlplakate.

Desweiteren illustrierte er zahlreiche Bücher, darunter:
„Mit Vater sind es 6 (58)
„Erfolg im Sport“ (59)
„Joggi – Die recht abenteuerliche Geschichte einer jungen Katze“ (59)
„3:0 für die Bärte“ (59)
„Mau, der Katzenkönig“ (61)
„Tumult auf der Kyburg“ (62)
„Grosse Schau auf kleinen Beinen“ (63)
„Das rätselhafte Gasrohr“ (73)
„Die Phantom-Bande“ (78)
„Der Fels des Schreckens“ (79)
„Ach, das himmlische Bodenpersonal“ (83),
„Eine kurze Predigt und eine lange Wurst“ (84)
„Bitte rasch, Herr Pfarrer“ (85)
„Wie man dem Himmel am nächsten kommt“ (85)
„Mit Humor gehts besser“ (86)
„Alter schützt vor Weisheit nicht“ (88)
„Heiter auf der Himmelsleiter“ (88)
„Des Pfarrers Knallzigaretten“ (89)
„Lausbuben sterben nicht aus“ (91)
„Grosse Schau auf kleinen Beinen“
„Wir drehen Reisefilme“
„Wir drehen Krimis“
„Filmideen“
„Jedes Dorf hat seinen Zauber“
„Unser Zivilschutz“

Für den Juwo-Verlag schuf Werner Büchi zudem die populären Juxli-Comics.

Mitte der 70er Jahre erhielt er den Auftrag, für den verstorbenen Zeichner Robert Lips die erfolgreichste Schweizer Comic-Figur Globi weiterzuführen.
Zuvor hatte er bereits 1971 einen Auftrag vom Globi-Verlag erhalten, die Ausgabe "Mit Globi und Käpt'n Pum um die Welt" von 1940 zu überarbeiten, weil einige Darstellung in der Neuzeit als Rassistisch eingestuft wurden. So gestaltete er einige Figuren um und zeichnete die Lippen der Eingeborenen dünner, verkleinerte die Glubschaugen und verpasste ihnen modernere Frisuren, ehe der Band neu aufgelegt wurde.
Nun zeichnete Werner Büchi zwei eigene Globi-Bände mit "Globis Glanz-Idee" (75) und "Globi, der kühne Erfinder" (77). Bei einigen Seiten des letztgenannten Globi-Buches hat Werner Büchi einige seiner früheren Kreationen aus Juxli übernommen und in die Welt von Globi eingebracht.
Doch mit seinen beiden Globi-Bänden war ihm nun ein ähnliches Schicksal beschieden wie zuvor Robert Lips, was die nachträgliche Umgestaltung betrifft, wenn auch aus einem anderen Grund. Da die von Werner Büchi gezeichneten Nebenfiguren in Globi zu sehr von den Darstellungen Robert Lips' abwichen, wurden einzelne Figuren von anderen Zeichnern abgeändert. So blieb es bei einem kurzen Gastspiel Werner Büchis in der Welt von Globi. Die Zusammenarbeit endete nach diesen zwei Ausgaben. Werner Büchi bezeichnete seine Arbeit für Globi als langweilig, da die Figuren vorgegeben waren und er keine eigenen Kreationen hat einbringen können. So blieb es bei einem Nachmachen der Figur nach Robert Lips.

Seine Ideen zu den Karikaturen und Zeichnungen fand Werner Büchi in zahlreichen Zeitungsartikeln. War die Idee erst mal da, entstand schnell ein erster Bleistift-Entwurf, danach zeichnete bereits die Originalfassung in Tusche. Schliesslich ging die Zeichnung schnellstmöglich an den Auftraggeber für die Publikation.

Gerne hielt er mit seinen Zeichnungen den Spiegel gegenüber Militärköpfen, Spiessbürgern und Beamten hin. Diese drei Schwerpunkte fasste er in einer symbolisierenden Zeichnung zusammen, welches er in späteren Jahren als eine Art Signet für Ausstellungen etc. verwendete.


Symbolisch spiesst Werner Büchi die Militärköpfe, Spiessbürger und Beamte mit seinem Zeichenstift auf.

Für Werner Büchi war nach der Beendigung der Zeichnung das Thema erledigt. Er blickte nicht zurück und lag auch keinen Wert auf die Archivierung der Zeichnungen. Glücklicherweise hatte seine Frau Nelly, die er 1941 geheiratet hatte, eine andere Einstellung dazu und so sind heute noch zahlreiche Zeichnungen im Familienbesitz erhalten geblieben.
Werner Büchi selber schätzte in einem Interview, dass er wohl gegen 50'000 Zeichnungen angefertigt hatte.
 
Privat war Werner Büchi kein Mann der grossen Worte und er konnte nicht gerade als redselig bezeichnet werden. Auch hier galt für ihn, ein Bild sagt mehr aus 1000 Worte. Redseligen Menschen ging er eher aus dem Weg, um Aufschneider schlug er einen grossen Bogen. Bei Menschenansammlungen war er kaum anzutreffen.
So war es typisch für ihn, zu geschriebenen Briefen zahlreiche Zeichnungen hinzuzufügen oder er schuf Karten, um sich seinem Umfeld mitzuteilen.
 
Trotz seiner grossen Schaffenskraft fand er immer wieder die Zeit, seinen sportlichen Interessen wie Wandern, Ski fahren, Rudern und Schwimmen nachzugehen.
Nach einem ersten Herzinfarkt gab er freiwillig seinen Führerschein ab, blieb aber weiter zu Fuss mobil.
 
Ein liebgewonnenes Ritual von Werner Büchi war sein frühmorgendlicher Spaziergang, bevor er sich an den Zeichentisch setzte und seiner Kreativität Ausdruck gab. Nicht selten arbeitete er dann bis zu 8 Stunden mit Bleistift, Tinte und Papier.

Am 12. April 1999 verstarb Werner Büchi im Alter von 82 Jahren.


Hinweis:
Die Abbildungen der Werke von Werner Büchi dienen ausschliesslich der Illustration der Arbeiten des
Künstlers. Die Verwendung von Dritten ist ohne Erlaubnis der Rechteinhaber nicht zulässig.

Die auf der Homepage abgebildeten Fotos und Original-Zeichnungen stammen aus dem Nachlass von Werner Büchi.