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Wie d'Warret würkt
1933 


Inhalt:

Die beiden Protagonisten Charlie Billetter und Heiri Mettler finden sich in angetrunkenem Zustand in einer hitzigen Diskussion.
Ein Plakat mit dem Hinweis auf das Theaterstück "Weh dem, der lügt" von Grillpanzer gehen die Meinungen der beiden auseinander, ob man in der realen Welt wirklich immer die Wahrheit sagen kann oder eben zum Lügen gezwungen ist, um keinen Unfrieden zu stiften.
 
Schliesslich wetten die beiden darum, dass Charlie Billetter es nicht schafft, einen ganzen Tag lang nur die Wahrheit auszusprechen.
 
Am nächsten Morgen, nun nüchtern, realisiert Charlie, dass er ja eine Wette über CHF 500.—eingegangen ist. Als er seinem Kompagnion Heiri, der als Fahrprüfungslehrer arbeitet, an den Kopf sagt, dass er ein Grobian im Umgang mit den Fahrschülern sein, schaut dieser zunächst verdutzt, ehe auch er sich an die Wette von gestern Abend erinnert. Als Blödelei im angetrunkenen Zustand abgetan fragt er Charlie erstaunt, ob er denn die Wette immer noch ernsthaft in Erwägung zieht.  und kein Weg vorbeiführt, am heutigen Tag nur die Wahrheit zu sagen. Er fängt gleich bei seinem Kompagnion Heiri an und sagt ihm, dass er die Wette nach wie vor erfüllen wolle – und so gilt diese für den heutigen Tag.


Emil Hegetschweiler und Hans Rehmann


Emil Hegetschweiler und Heinrich Gretler


Hans Rehmann

In der Zwischenzeit herrscht in der Konditorei Hänggeler Hochbetrieb und die Verkaufsauslage wird vorbereitet. Unterstützt wird er von der Mitarbeiterin Resi und zwei Konditorlehrlingen. Er findet bei allen etwas auszusetzen und Frau Hänggeler bezeichnet ihn als Nörgler. Herr Hänggeler will dies nicht einsehen und geht ins Büro zurück.
Da taucht der Neffe Charlie Billetter im Geschäft auf und Frau Hänggeler fragt diesen, ob ihr Mann bei seinen abendlichen Jassrunden nicht auch mal mit der Bedienung herumschäkert. Charlie druckst auf der Antwort herum, schliesslich entweicht ihm ein zögerliches Ja. Die Wette sitzt ihm im Nacken und ihm bleibt keine Wahl. Herr Hänggeler hört die Antwort und fragt verdutzt, ob er behaupten will, dass er mit der Bedienung herumschäkert. Charlie bestätigt dies erneut mit einem Ja. Resi lacht und Frau Hänggeler schaut befriedigt auf Charlie und ihren Mann.
 
Herr Hänggeler ist enttäuscht von Charlie und stellt diesen zur Rede, dass er ihn derart blossstellt. Charlie versucht die Situation zu retten, indem er verallgemeinert, dass halt ältere Herren sich so verhalten. Doch mit dem Wort "ältere" stösst er gleich wieder in ein Wespennest und Herr Hänggeler empört sich.
 
Charlie bittet seinen Onkel zu einem Gespräch unter vier Augen und eröffnet ihm, warum er eigentlich vorbeigekommen ist. Er möchte gerne sicherstellen, dass der Onkel seine versprochene Unterstützung für Charlies geplante Partnerschaft bei seinem Chef aufrechterhält, doch Herr Hänggeler sträubt sich ab dem vorhin erlebten. Es folgen Widerworte, dass er ja eh schon ein älterer Herr sein und Charlie wohl die paar Jahre noch abwarten könne. Er würde wohl gerne von ihm erben?
Charlie lässt die Frage im Raum stehen, da er ja sonst die Wahrheit sagen müsste und das Schweigen reizt seinen Onkel noch mehr. Dieser fragt nach und schliesslich äusserst sich Charlie, dass schliesslich jeder gerne erbt. Dies bringt das Fass zum Überlaufen und Herr Hänggeler sagt seinem Neffen, dass er die Einlage für die Beteiligung vergessen kann.


Hans Rehmann


Emil Hegetschweiler


Heinrich Gretler

In der Zwischenzeit wartet Heiri Mettler und die anderen Angestellten der Automobil-Garage auf Charlie Billetter, der hier u.a. auch als Autoverkäufer arbeitet. Im Verkaufsraum warten bereits die ersten Kunden auf ihn. Endlich trifft Charlie ein und er empfängt die Kundschaft. Doch wo Wahrheit oberste Priorität ist – zumindest am heutigen Tag – kann ein Verkaufsgespräch nur schiefgehen. Als sich die Interessenten nach dem Kilometerstand des Occasionswagen erkundigen, ist sich Charlie unsicher, was er sagen soll, da ja Herr Johliger – sein Chef – mit der Kundschaft schon in den Tagen davor über das Fahrzeug gesprochen hat. Doch es bleibt ihm keine Wahl und er nennt die korrekte Zahl von 20'000 Kilometer.
Daraufhin empört sich der Interessent, da der Firmenchef von 6'000 Kilometern gesprochen hat.

Halb amüsiert beobachtet Heiri Mettler die darauffolgende Szene, als der Chef die Kundschaft beruhigen will – doch umsonst. Diese verlassen empört das Geschäft und distanzieren sich von jeglichen Kaufabsichten.
 
Es folgt ein Donnerwetter des Chefs, doch Charlie entgegnet, dass er diese Art von Geschäftsmethode nicht wirklich befürwortet. Schliesslich kommt das Gespräch auf die geplante Teilhaberschaft am Geschäft und Herr Johliger will wissen, wie das Gespräch mit Charlies Onkel verlaufen ist. Dieser gibt unumwunden zu, dass die Finanzierung ins Wasser gefallen sei.
Doch da wird das Gespräch durch das Auftauchen eines Fremden unterbrochen. Dieser stellt sich als Herr Wunderli vom Steueramt vor. Er möchte überprüfen, ob die Einkommenserklärung von Charlie Billetter korrekt angegeben worden sind. Herr Johliger blickt kurz auf die Zahl und bestätigt dies.
Als Herr Wunderli den Charlie Billetter sieht, fragt er diesen auch nochmals, ob er zu seiner Steuererklärung stehe. Da gibt Charlie zu, dass er statt 1'000.- im Monat ein Salär von 1'200.- bezieht. Herr Johliger kann nicht fassen, was er da hört. Er deckt Charlie bei seiner Falschdeklarierung der Steuererklärung und nun wird er von ihm blossgestellt. Herr Wunderli konfrontiert beide mit ihrem Fehlverhalten und zeigt seine Enttäuschung über das Verhalten. Er lässt durchblicken, dass man bei der Steuerbehörde auf die Idee kommen könnte, die Bücher des Autogeschäfts zu überprüfen.
 
Nachdem Herr Wunderli das Geschäft verlassen hat, explodiert Herr Johliger und schickt Charlie zum Teufel. Dieser nimmt das Fahrzeug, welches für die spätere Fahrstunde mit Frau Reinhardt vorgsehen ist und fährt weg.
Herr Johliger diktiert gerade den Kündigungsbrief an seine Sekretärin, da kommt Heiri Mettler hinein und bittet ihm um eine Unterredung. Er hat erkannt, dass er das Verhalten von Charlie erklären muss, um ein Eklat zu verhindern. Er sagt auch ein Gespräch mit dem Onkel von Charlie zu, um die Situation dort auch wieder geradezurücken, speziell wegen dem finanziellen Beitrag zur Partnerschaft.


Heinrich Gretler


Heinrich Gretler und Unbekannt

Herr Wunderli ist in der Zwischenzeit in sein Büro zurückgekehrt, wo er von seinem Erfolg berichtet. Der Steuersekretär kann dies kaum glauben, dass jemand freiwillig zugibt, die Steuererklärung falsch ausgefüllt zu haben. Entweder ist Charlie Billetter nicht normal oder er hat sich einen Scherz mit Herr Wunderli erlaubt.
 
Charlie hat sein Ziel erreicht und hält mit seinem Wagen vor dem Modehaus Maison Fleury, deren Besitzerin seine Verlobte ist. Sie bedient gerade Kundschaft und ein Hut wird zur Begutachtung aufgesetzt. Fleury macht Komplimente über den Hut, doch die Kundin zögert. Es kommt, wie es kommen muss und man fragt Charlie, was er vom Hut hält. Er versucht, einer Antwort auszuweichen, da meint die Kundin, dass er wohl denke, warum die alte Schachtel einen neuen Hut braucht. Charlie bestätigt dies mit Ja und die Kundin verlässt verärgert das Geschäft. Charlie und Fleury beginnen zu diskutieren und gehen schliesslich im Streit auseinander. Die Angestellte Labouchère versucht noch, mit Charlie zu reden, doch sie verpasst ihn knapp und sieht ihn nur noch mit dem Auto um die Ecke biegen.
 
In dem Moment fährt Heiri Mettler mit einem Fahrschüler vorbei. Sie halten und Mettler steigt aus und folgt ihr. Er findet eine aufgelöste Fleury vor und sieht, welche Tragödie die reine Wahrheit an nur einem Vormittag anrichten kann.
 
Charlie begibt sich in ein Restaurant, um Mittag zu essen. Da tauchen nacheinander Heiri Mettler, Fleury und Herr Johliger auf, um mit Charlie zu sprechen. Heiri bietet Charlie erneut an, die Wette zu vergessen, bevor es noch schlimmer kommt. Doch Charlie steigert sich in Rage und legt sich mit allen an. Die anwesenden Gäste kommen zum Entschluss, dass Charlie offensichtlich den Verstand verloren hat.
 
Charlie hat seine Fahrt fortgesetzt und ist nun bei Silvia Reinhardt angekommen. Bei einem Tee erzählt Charlie, was ihm an diesem Tag alles widerfahren ist. Sie versucht, ihm den Spiegel vorzuhalten und beichtet ihm schliesslich, dass sie sich zu ihm hingezogen fühlt. Doch auch hier kommt es zur Konfrontation und Charlie bezeichnet sie als oberflächlich. Die Fahrstunde, die mit Silvia angesagt war, lässt er sausen und nimmt stattdessen ein Taxi und fährt nach Hause. Heiri Mettler übernimmt später die Fahrstunde mit Silvia.
 
Der Konditor Hänggeler wurde mittlerweile über drei Ecken über den "Zustand" von Charlie informiert, wobei sich falsche Informationen eingeschlichen haben. So sprach man ursprünglich beim Vorfall im Maison Fleury, dass Charlie drei Damen über den Mund gefahren sei. Als die Information aber beim Konditor Hänggeler ankam, bestand die Information darin, dass Charlie drei Damen mit dem Auto überfahren hätte.
Herr Hänggeler ruft seinen Freund, Polizeikommissar Trachsler an und fragt schon mal vorsichtshalber, mit welcher Strafe für eine fahrlässige Tötung zu rechnen sei.
 
Charlie hat sich ein Taxi genommen und fährt zu sich nach Hause, wo er die Koffer packt. Er will nur noch weg.
 
Längst wird er von allen verzweifelt gesucht. Heiri Mettler und Silvia, das Ehepaar Hänggeler und Herr Johliger begeben sich gemeinsam auf die Suche. Schliesslich entdeckt beziegungsweise hört man Charlie in der Wohnung von Herr Hänggeler, wo er offenbar mit Gegenständen um sich wirft. Zeugen haben bereits die Nervenheilanstalt Burghölzli infomiert und diese machen sich ebenfalls auf den Weg zur Wohnung von Herr Hänggeler. Als sich die verschlossene Tür, hinter der sich Charlie befindet, einen Spalt öffnet, wird Silvia vorgeschickt. In der Aussprache erkennen beide, dass sie doch füreinander bestimmt sind. Währenddessen erzählt Heiri Mettler allen draussen vor der Tür stehenden Leuten von der Wette und wie sich diese ausgewirkt hat. Den Beteiligten ist die Erleichterung anzusehen und der vermeintlich Verrückte ist wieder ins richtige Licht gestellt.
Heiri Mettler reicht durch die offene Türspalte die 500 Franken an Charlie und man sieht, wie Charlie und Silvia sich umarmen.


Nachtrag:

Der Film "Wie d'Warret würkt" war der erste Schweizer Kinofilm, der den erfolgreichen Dialektfilm der kommenden Jahrzehnte einläutete. Zudem agieren in diesem Film zahlreiche Schweizer Schauspieler, die in den nächsten Jahren zu den prägenden Figuren werden sollten, erstmals in einer Schweizer Produktion, allen voran Emil Hegetschweiler, Heinrich Gretler und Armin Schweizer. Aber auch Darsteller wie Robert Trösch, Max Werner Lenz und Mathilde Danegger feiern ihr Schweizer Debüt.

Der Film basiert auf dem gleichnamigen Lustspiel des Autors August Corrodi. Der Film erlebte seine Premiere am 1. Dezember 1933 in Zürich. Beim Publikum kam die Produktion gut an, bei den Kritikern fiel er jedoch durch, da die Erzählmittel nicht zu überzeugen wussten und noch Kinderkrankheiten des jungen Schweizer Films aufwies. Die einzelnen Szenen sind zu wenig in einem flüssigen Erzählstil eingebettet und wirden zusehr zusammengesetzt.
Nichtsdestotrotz war "Wie d'Warret würkt" der Startschuss für den Siegeszug der Produktionsfirma Praesens Film AG von Lazar Wechsler.


Darsteller:

Emil Hegetschweiler als Konditor Hänggeler
Heinrich Gretler als Heinrich Mettler
Hans Rehmann als Charlie Billeter
Denyse Navazza als Fleury
Moritz Ruckhäberle als Herr Johliger
Ully Bierbaum als Melly
Armin Schweizer als Herr Wunderli
Max Werner Lenz als Dr. Juchli
Edith Claire als Frau Glättli
Felix Bressart als Herr Schramek
Josy Holsten als Frau Schramek

sowie Traute Carlsen, Gerda Forrer, Jakob Guggi, Lisa Burkhart, Dora Hauth, Trudi Stössel und Robert Trösch

Mitarbeiterliste:

Regie:
Drehbuch:
Produzent:
Musik:
Kamera:
Schnitt:

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Walter Lesch und Richard Schweizer
Walter Lesch und Richard Schweizer
Lazar Wechsler

Robert Blum und Paul Schoop

Emil Berna
Käthe Mey


 

Die Macher im Hintergrund:



Walter Lesch - Regisseur, Drehbuchautor

Lazar Wechsler - Produzent

Richard Schweizer - Regisseur, Drehbuchautor

Robert Blum - Filmkomponist

Emil Berna - Kamera




Drehbuch von 1933
(PDF)
Copyright: Praesens Film Zürich



Nachfolgend eine Auswahl von Fotos, die hinter die Kulissen der Dreharbeiten blicken lassen.
Copyright: Praesens Film Zürich



evtl. Walter Lesch


Ein herzlicher Dank geht an Herrn Gassmann und an das Stadtarchiv Zürich für die Zurverfügungstellung des Archivs.