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INDEX SCHWEIZER FILMSCHAFFENDE DER SCHWEIZER FILM

 
 
Marie-Louise
1944

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Inhalt (Text aus dem Archiv der Praesens Film):
In Rouen, während des tragischen Sommers 1940, als die deutschen Truppen im Anmarsch sind, entschliesst sich Madame Fleury zusammen mit ihren beiden Kindern Marie-Louise und Pierre und einer Nachbarin aus der Stadt zu fliehen.

Die nächste Szene spielt 1942 in der Schweiz. Auf einem Schweizer Bahnhof erwarten der Lehrer Bänninger und Frl. Anna Rüegg eine Anzahl Kinder aus Frankreich, welche für einige Monate zur Erholung in die Schweiz kommen. Alle Kinder werden ihren Pflegeeltern zugeteilt, ausser der kleinen Marie-Louise aus Rouen, die noch alleine auf dem Bahnsteig steht, Anna Rüegg erbarmt sich der Kleinen und nimmt sie kurzerhand zu sich.
 

Josiane Hegg als Marie-Louise

Bernard Ammon als André

Annemarie Blanc als Heidi Rüegg

Der Vater Anna's jedoch hat ein etwas schwieriger Charakter und die beiden Schwestern Anna und Hedwig Rüegg beschliessen, ihm vorläufig noch nichts von der Anwesenheit des Kindes zu sagen.

Marie-Louise wird von Vater Rüegg jedoch entdeckt, bevor er von seinen Töchtern eine Erklärung erhält. Natürlich denkt er nicht daran, das Franzosenkind weg zu schicken; im Gegenteil: er beginnt das Kind von Herzen zu lieben, wie sein eigenes. Vater Rüegg hat sich seit der Ankunft von Marie-Louise stark verändert - er ist verträglich und gütig geworden. Die Arbeiter seiner Fabrik entschliessen sich spontan, jeden Tag eine viertel Stunde länger zu arbeiten, um so das Geld für den Bau eines Kinderheimes für Kriegskinder zusammen zu bringen. Auch sie möchten den armen Kleinen auf irgend eine Art helfen. Vater Rüegg hilft tatkräftig mit und unterstützt das Vorhaben seiner Leute mit allen Mitteln.
 



Unbekannt


Unbekannt

Heinrich Gretler als Direktor Rüegg

Lehrer Bänninger befürchtet, dass es Marie-Louise jetzt nach so viel Liebe von Vater Rüeggs Seite schwer fallen wird, wieder nach Frankreich zurück zu gehen. Er hatte nur allzu recht. Marie-Louise verlässt den fahrenden Zug, der es nach Hause zurückbringen sollte und kehrt den Eisenbahnschienen entlang zu seinem Pflegevater zurück. Ein Polizist entdeckt das müde, traurige Kind und bringt es wieder ins Haus der Familie Rüegg. Vater Rüegg sieht nun ein, dass Lehrer Bänninger recht hatte und bittet ihn, Marie-Louise in das neu erbaute Kinderheim zu bringen, wo sie sich zusammen mit andern Kindern langsam von der übertriebenen Liebe Vater Rüeggs entwöhnen soll, um nach einigen Wochen wieder zu ihrer Mutter zurück zu kehren. Ihr kleiner Bruder Pierre wurde bei einer Bombardierung getötet; Frau Fleury bleibt nun nur noch Marie-Louise. Vater Rüegg erklärt sich bereit, den schwierigsten aller Buben aus dem Kinderheim zu sich zu nehmen: es ist dies der kleine, freche André.
 

Schaggi Streuli (er trat in diesem Film mit seinem bürgerlichen Namen Emil Kägi auf)

Heinrich Gretler

Heinrich Gretler

Am Tage der Abreise kommt eine traurige Nachricht: dies werden die letzten Franzosenkinder sein, die in die Schweiz kommen konnten, denn die Grenze bleibt für weitere Pflegekinder geschlossen. Beim Abschied noch hat André, der kleine Bengel, es mit einigen Worten fertig gebracht, dass Hedwig Rüegg und Vorarbeiter Schibli sich einander näher kommen. Schibli liebte Hedwig im Geheimen schon seit langem. Unter der Tür des Kinderheimes haben Lehrer Bänninger und Anna eine Willkommenstafel angebracht - für andere, arme Kriegskinder, die, wie alle hoffen, recht bald nach dem Krieg das hübsche Heim bewohnen können, um sich dort körperlich und geistig zu erholen.
 

Armin Schweizer als Lehrer Bänninger

Josiane Hegg

Heinrich Gretler, Armin Schweizer, Bernard Ammon

Das Schicksal der Hauptdarstellerin Josiane als Marie-Louise

Der Film löste beim Publikum grosses Interesse auf und immer wieder tauchten Fragen zur Titeldarstellerin auf, die sich selbst als einer der französischen Kindern in der Schweiz aufhielt. Die Praesens-Film-AG gab folgendes Statement zu Josiane Hegg (Marie-Louise) und Bernard Ammon (André):

Auf viele interessierte und liebevolle Anfragen hin, die zum Praesens-Film "Marie-Louise" aus dem Publikum über das Befinden Josianes, der kleinen Darstellerin der Marie-Louise an die Kinotheater und die Herstellerfirmen gerichtet wurden, sind wir in der Lage, Auskunft zu geben.

Josiane, die aus etwa 1000 Kindern verschiedener Kindererholungstransporte aus Frankreich in die Schweiz für die Rolle der Marie-Louise ausgewählt wurde, erlebte mit ihren Eltern in Frankreich die Invasion von 1940 und das Grauen der Flucht der Zivilbevölkerung aus den Kriegsgebieten.
Während dieser Kriegszeit kam sie mit den Eltern und ihrer kleinen Schwester nach Nancy, wo sie sich seither aufhielt, bis ihr die Erholungsreise in die Schweiz durch die Kinderhilfsaktion ermöglicht wurde. Noch vor Beendigung des Filmes, den Josiane selbst noch nicht gesehen hat, kehrte das Mädchen anfangs Februar nach Nancy zurück, wo es seither wieder mit seinen Eltern lebt. Josiane hatte noch nie zuvor in einem Film oder auf der Bühne gespielt, aber sie zeigte nicht nur, wie Regisseur Lindtberg feststellte, eine erstaunliche natürliche Spielbegabung, sondern lebte sich in die Rolle der Marie-Louise völlig ein, da sie eigentlich ihr eigenes Schicksal erlebnisgetreu zu gestalten hatte.

Über all die interessanten Arbeit, die sie freudig leistete, vergass sie ihre Eltern nie, sondern wünschte stets, zu ihrer Mutter zurückzukehren. So wurde ihr der Abschied von der Geborgenheit der Pflegeheimat wohl schwer, aber auch froh, weil er sie wieder zu ihrer Mutter führte.
Während der längeren Zeit der Filmaufnahmen lebte das Kind in Zürich unter der pflegenden Obhut einer Krankenschwester, die für seine Erholung besorgt war. Wie ernst und verständnisvoll sie ihre filmische Aufgabe auffasste, zeigte die Selbstkritik, die sie stets an sich übte, wenn man ihr die ersten Aufnahmen des Filmes zeigte.
In der Arbeit wie auch sonst im Umgang war Josiane so natürlich unbefangen, fröhlich, und doch auch vom wissenden Ernst der Kriegsjugend, wie sie sich als Marie-Louise in das Herz des Publikums gespielt hat.

Auch der Knabe André befindet sich seit dem Dezember wieder in seiner Heimatstadt Paris. Im Gegensatz zu Josiane hat er trotz seiner Jugend auch bereits schon früher in Frankreich im Film mitgewirkt. Dass er auch im persönlichen Leben so selbstischer und frisch ist wie im Film "Marie-Louise", bewies seine Karte aus Paris, auf der er erzählte, dass er gut nach Hause zurückgekehrt sei und dass man in der Schweiz mit einem neuen Film zuwarten möge, bis er wieder komme!
 

Bernard Ammon, Annemarie Blanc, Heinrich Gretler und Armin Schweizer

Heinrich Gretler


Einladungskarte zur Uraufführung des Films


 

Der Film kann direkt bei der Praesens Film AG als VHS bestellt werden.
 
 
Darsteller:

Josiane Hegg als Marie-Louise
Heinrich Gretler als Direktor Rüegg
Margrit Winter als Anna Rüegg
Annemarie Blanc als Heidi Rüegg
Armin Schweizer als Lehrer Bänninger
Mathilde Danegger als Päuli
Fred Tanner als Robert Scheibli
Emil Gerber als Ernst Schwarzenbach
Bernard Ammon als André
Germaine Tournier als Frau Fleury
Pauline Carton als Frau Gilles
Jean Hort als Vater Deschamps
Marcel Merminod als Herr Bertheau 

sowie Schaggi Streuli, Robert Bichler, Friedrich Braun
Gottlieb Büchi, Walburga Gmür, Gustav Gnehm, Emil Gyr,
R. Jäger, Hans Kaes, Peter W. Loosli, Paul Schulthess u.a.

Mitarbeiterliste:

Regie: 

Produzent: 
Drehbuch: 
Kamera:
Kamera-Assistent:
Musik: 
Schnitt:
Schnitt-Assistent:
Filmausstattung:
Requisiten:
Bauequipe:
  

Elektriker:

Make-up:

Kostüme:
Ton:
Produktionsmanagement:
Script:

.

Leoold Lindtberg

Lazar Wechsler und Oscar Düby
Richard Schweizer und Robert Faesi
Emil Berna
Adolf Vogel
Robert Blum
Hermann Haller
René Martinet
Robert Furrer
Ernst Wettstein
Hugo Frugoni, Edi Rubli, Josef Kropf,
Hans Birsinger, Bruno Kohler, Mattmüller,
Biondi
Albert Bolliger, Ernst Bolliger,
Peter Meienberger, Italo Zamboni
Adolf Meidert
Robert Gamma
Bruno Müller
Arthur Baur
Gertrud Bantli

  

Original Notenmanuskript der Filmmusik von Robert Blum

Ein herzlicher Dank geht an Frau E. Blum für die Erlaubnis, die Notenblätter abzubilden - Copyright Fam. Blum

Die Macher im Hintergrund:

 

Leopold Lindtberg - Regisseur

Robert Blum - Filmkomponist

Emil Berna - Kamera


Lazar Wechsler - Produzent

Oscar Düby - Produzent

Hermann Haller - Cutter

Richard Schweizer - Drehbuchautor
er erhielt 1946 für "Marie-Louise" den 
Oscar für das beste Original-Drehbuch


 
 
Bilder hinter den Kulissen:

 

Kamera läuft - Ton ab

Letzte Korrekturen bei Armin Schweizer

Kameraufnahmen aus einem Fahrzeug heraus


 

Drehbuch zum Film
(PDF)
Copyright: Praesens Film Zürich



1. Seite


2. Seite

Mit dem Film "Marie-Louise" zeigte der Produzent nicht nur erneut sein Gespür für aktuelle Themen, die das damalige Publikum in die Kino zu locken vermochte, sondern auch sein Engagement, Benachteiligten auf diese Art eine Plattform zu bieten und ihnen auch finanzielle Unterstützung zukommen zu lassen. Nach dem grossen Erfolg des Films lancierte er einen Fond namens "Marie-Louise" und schrieb verschiedene Unternehmen an, um diese dafür zu gewinnen. Nachstehend einige Beispiele seiner Bemühungen:
 

Abmachung zur Gründung des Fonds
"Marie-Louise" vom 22. März 1944

Brief von Nationalrat Dr. Wick 
vom 22. März 1944

Brief von NZZ Redaktor Dr. Arnet 
vom 21. März 1944

Im Vorfeld der Dreharbeiten wurden Analysen zu "Marie-Louise" erstellt, um abschätzen zu können, ob der Film auch finanziell ein Erfolg werden könnte. Nachfolgend die Analysen zu den Punkten "Produktion", "Publikum" und "Drehbuch":
 

22. September 1942 - Stoffanalyse zu "Marie-Louise" (Praesens-Film A.G.)

Vom Publikum aus gesehen:
1. Es besteht kein Zweifel, dass bei allen Schichten des Schweizervolkes eine natürliche Anteilnahme am Schicksal der kriegsgeschädigten Kinder besteht. Ein Film, der dieses Thema behandelt, wird also logischerweise Interesse bei allen Schichten der Bevölkerung finden.

2. Der charitative Gedanke: Helft, wo ihr helfen könnt! Gehört zu den Grundlagen der schweizerischen Staatsidee. Ein Film, der sich mit diesem Gedankenkreis beschäftigt, kann also mit Recht Anspruch darauf erheben, eine der schönsten Seiten schweizerischer Wesensart zum Ausdruck zu bringen. Es gibt sicher wenig Stoffe, deren Thematik in gutem Sinne so typisch schweizerisch ist.

3. Dieser Stoff ist jedoch nicht nur typisch schweizerisch. Es handelt sich vielmehr um einen allgemein menschlichen Vorwurf von ergreifender Eindringlichkeit, der an die besten Urgefühle des Menschen appelliert: (Mütterlichkeit, Mitleid, Hilfsbereitschaft usw.)

4. Dazu kommt, dass dieses Thema augenblicklich in allen Kreisen (Parlament, Presse, Schule usw.) diskutiert wird. Zeitungen und Zeitschriften bringen sozusagen in jeder Nummer einen Beitrag. Wie gross die grundsätzliche Anteilnahme an dieser Sache ist, beweist der moralische und finanzielle Erfolg aller Sammlungen und Veranstaltungen auf diesem Gebiet (Sammelaktionen, Aktion Migros, Wochenbatzen, Bazar usw.)

5. Innerhalb des Schweizerfilms behandelt dieser Stoff zum erstenmal ein aktuelles Thema. Es ist zu erwarten, dass das Publikum diesem Novum ein besonderes Interesse entgegenbringen wird.

6. Der eigentliche Reiz dieses Stoffes besteht aber darin, dass ein ausgesprochen ethisches Thema nicht etwa lehrhaft und trocken behandelt werden muss. Im Gegenteil: Der Vorwurf bietet wie selten einer Gelegenheit zu einer lebendig realistischen Handlung, die alle Elemente des Tragischen, Sentimentalen, ja Humoristischen ungezwungen in sich vereint, erfahrungsgemäss die beste Grundlage für einen Publikumserfolg.

7. Der Stoff ist aus den angeführten Gründen geeignet, das männliche wie das weibliche Element innerhalb des Kinopublikums anzuziehen. Ausserdem eignet er sich aber auch zur Vorführung vor Schülern.

8. Die Sprachenmischung lässt einen Erfolg auch in der welschen Schweiz erwarten.
 

Von der Produktion aus gesehen:
1. Die Herstellungskosten dieses Stoffes, der eine schlichte, menschliche Story behandelt und auf besondere finanzielle Aufwendungen (Bauten, Kostüme, Komparserie, Reisen usw.) verzichten kann, dürften sich auf der Minimalgrenze halten.

2. Die Einnahmemöglichkeiten dürfen ohne übertriebenen Optimismus als normal vorausgesetzt werden. Bei der Besonderheit des  Stoffes ist aber die Hoffnung auf eine überdurchschnittliche Einnahme erlaubt.

3. Die Thematik des Stoffes lässt grundsätzlich die Verlegung des Inhalts auf jede beliebige Jahreszeit zu.

4. Die Besetzung der Rollen bietet voraussichtlich keine besonderen Schwierigkeiten.

5. Es ist anzunehmen, dass unter den vielen Flüchtlingskindern, die ständig in der Schweiz weilen, ein begabtes Kind für die Titelrolle gefunden werden kann.
 

Vom Drehbuch aus gesehen:
1. Die an die Wirklichkeit gebundene Wahrhaftigkeit des Themas, seine Vielseitigkeit erlauben den Aufbau einer menschlich ansprechenden, glaubhaften und gesunden Story. Bei aller Schlichtheit des Vorwurfs kann die Handlung spannend sein, weil es um das Schicksal eines lebendigen Menschenkindes geht. Der Ernst des Themas schliesst eine Story, die im besten Sinne unterhaltend ist, keineswegs aus.

2. Für die Führung der Handlung genügt die Anekdote eines in der Schweiz lebenden Flüchtlingskindes nicht. Es müssen mit dieser allerdings zentralen Fabel - mindestens zwei weitere Handlungselemente, von denen jedes für sich sinnvoll und stofflich interessant ist, - verbunden werden. Für die drei Grundmotive der Handlung schlagen die Autoren vor:
a.) Die Geschichte des französischen Flüchtlingskindes. (Ankunft. Fremdheit der unbekannten Umgebung gegenüber. Depression infolge seiner Erlebnisse und Entbehrungen. Assimilation. Neue Hoffnung. Seelische und körperliche Gesundung. Die Angst vor der Heimkehr ins Elend. Selbstüberwindung. Lösung.)
b.) Die Geschichte einer schweizerischen Familie. (Verhältnisse vor Eintreffen des Kindes. Das Verhalten gegenüber dem Flüchtlingskind. Seine Anwesenheit verändert die seelische Struktur der Familie. Aus ursprünglicher Gleichgültigkeit erwächst eine tiefe menschliche Beziehung zu dem anvertrauten Kinde. Das erwachte Gefühl verändert auch die Verhältnisse innerhalb der Familie. Latente Konflikte finden plötzlich ihre Lösung.)
c.) Die Geschichte einer Liebe. (Die Anwesenheit des Flüchtlingskindes und die damit verbundenen Veränderungen aktivieren die Gefühle zweier junger Menschen, die bisher indifferent oder feindlich nebeneinander hergelebt haben.)
 

Ein herzlicher Dank geht an Herrn Gassmann für die Zuverfügungstellung des Archivs.